Humusgehalte in den Böden Europas

Humus, eine Bezeichnung in der Bodenkunde (Pedologie), fasst die Gesamtheit der abgestorbenen organischen Substanz des Bodens zusammen. Humoser Oberboden entsteht durch den Zersetzungsprozess von pflanzlichen und tierischen abgestorbenen ökologischen Substanzen und die damit einhergehende Freisetzung von Nährstoffen für die Pflanzenwelt.

Humusgehalte Europas

Dieser Umwandlungsprozess basiert auf der Zerkleinerung von Kleinstlebewesen sowie der weiteren Zersetzung durch Mikroorganismen. Die Zersetzungsrate und die damit einhergehende Qualität bzw. Humusform ist sehr stark abhängig von der jeweiligen Art der Streu, der Bodenbeschaffenheit und weiteren (klimatischen) Umweltfaktoren sowie der Nutzung dieser Bodenflächen.

Bodenbeschaffenheiten und Umwelteinflüsse

Der europäische Kontinent besticht nicht nur durch eine Vielzahl höchst unterschiedlicher Nationen und Kulturen, sondern auch durch verschiedene klimatische Zonen und unterschiedlichste Landschaften. Diese beeinflussen natürlich auch maßgeblich die jeweiligen Bodeneigenschaften und Umwelteinflüsse. So herrscht logischerweise an der norddeutschen Küste ein anderes Klima, als in den italienischen Alpen.

Die jeweiligen Böden entwickeln sich aus einer komplexen Wechselwirkung des jeweiligen Klimas, der geologischen Vorkommen, der Vegetation, der biologischen Aktivität (Bioturbation) und der generellen Nutzung dieser Flächen. Auf Basis dieser individuellen Beziehungen variiert die Bodenbeschaffenheit sowohl national, als auch international sehr stark.

Nordeuropäische Böden sehen sich beispielsweise mit niedrigeren Temperaturen und höheren Niederschlägen konfrontiert, wodurch eine geringere biologische Aktivität entsteht. Im Süden Europas verhält sich dies durch durchschnittlich höhere Temperaturen und niedrigerem Niederschlag konträr, was wiederum zu einer erhöhten Bioturbation und einer größeren Humusanreicherung führt.

Humusgehalte in Europa

Auf Grund vollkommen unterschiedlicher Standorte und damit einhergehender Bodenbeschaffenheiten, Umwelteinflüsse und unterschiedlicher Bodennutzung gibt es nur sehr unvollständige Informationen über den Humusgehalt europäischer Böden. Obwohl seit Mitte der Neunziger Jahre das Bewusstsein für unseren Boden deutlich zugenommen hat, ist es nach wie vor sehr schwierig sich ein umfassendes Bild zu machen.

Nach aktuellen Schätzungen weisen 45 Prozent der Böden in Europa einen geringen (ein bis zwei Prozent) oder sehr geringen (unter ein Prozent) Humusgehalt auf. 40 Prozent der Böden erreichen immerhin einen mittleren Humusgehalt zwischen zwei bis sechs Prozent und lediglich fünfzehn Prozent der Böden weisen einen Humusgehalt größer als sechs Prozent auf.

Entwicklung europäischer Böden

Studien belegen, dass die Humusgehalte vieler europäischer Böden schrumpfen und dadurch einen Verlust an organischer Substanz zeigen. Insbesondere in südlichen Regionen weisen große Flächen im Direktvergleich mit Deutschland niedrigere Humusgehalte auf. Auch im Hinblick der globalen Veränderung der Nutzung von Bodenflächen kann davon ausgegangen werden, dass sich dieser Trend fortsetzt.

Geringere Humusgehalte im Boden bedeuten eine direkte geringere Nährstoffzufuhr für die Pflanzenwelt und letztendlich eine Verringerung der Vegetation. Eine Reduzierung des Humusgehaltes schädigt maßgeblich zusätzlich das ökologische Gleichgewicht.

Quellen & weiterführende Weblinks